Vollformat “on a budget”: Sony A7C-II

Wie’s im Leben so ist, angeregt durch meine Erfahrungen mit der Sony RX1R-II, die auf ihre Art meine Fotografie sehr positiv ergänzt und erweitert hat, gibt es aber immer das eine oder andere, was schön oder erleichternd wäre.
Zum einen die erhöhte Verschlusszeit aus der Hand, der besondere Verschluss der RX1 benötigt eine höhere Verschlusszeit, um Verwacklungen zu vermeiden (bei 35mm 1/100 statt 1/30 aus der Hand), kein Stabi, und an gutes Tracking und Motiverkennung habe ich mich durch die A1 auch schon gewöhnt, bei der benötige ich es gar nicht so, aber es erhöht die Geschwindigkeit und Spontanität gerade bei Street etc. doch schon sehr.
Aber wenn es einen Ersatz für die RX1 geben soll, dann darf es eben nicht sehr viel größer, schwerer, und eben auch nicht in einer Preislage wie die Leica Q3 sein, die mir zudem auch zu groß wäre. Eine RX1R-III scheint nicht in Sicht, auch die Gerüchte darum verebben so langsam. Naja, Sony hat ja auch eine kompakte Vollformat-Serie im APS-C Format, das scheint die RX1-Serie vielleicht begraben zu haben. Aber genau das hat dann mein Interesse geweckt, und zwar in Form der:

A7C-II mit 40/2,5G
Sie hat alles, was ich mir wünsche, eines der modernsten AF-Systeme aus der A7R-V mit KI-Chip zur Motiverkennung, 7-Stops Bildstabilisator, den 33MP Sensor aus der A7-IV, alles eben sehr modern und aktueller Stand der Technik. Nachteile zur RX1, sie ist etwas größer (im Grunde nur 1cm breiter, Höhe ist gleich und auch die Tiefe mit Objektiv, nur der Body selbst ist halt dicker), 175gr. schwerer (mit 40/2.5G), alles in allem gehen beide nicht in die Hosen-, aber in die Jackentasche, das reicht mir. Ein Angebot unter 2000€ im Bundle mit dem 40/2.5G hat mich dann schwach werden lassen, zur Not verlustfrei verkaufen.

Ich bin nun einige Wochen mit ihr unterwegs, sie macht mir alle Freude, die mir die RX1 macht, durch AF und Tracking und die deutlich höhere Geschwindigkeit des AF auch bei wenig Licht (da ist sie sogar besser als meine A1) aber eben noch etwas mehr. Das etwas höhere Gewicht fällt nicht auf, ich kann sie ebenso immer am Handgelenk tragen, der Stabi ist wirklich toll und erweitert ebenso die Möglichkeiten. Das ich den Sucher nicht ausklappen muss ist gut, er ist nicht besser als der in der RX1 und nicht auf dem Niveau der weniger kompakten Sonys, reicht mir aber zur Bildgestaltung aus. Das Display ist typisch Sony (bis auf den der A7R-V) im Vergleich zur Konkurrenz eher mager, aber selbst in der A1 ist er verbaut und ich kann damit leben; der Klappmechanismus ist für meine Zwecke etwas umständlicher, da es ein Schwenkdisplay ist, was ich erst zur Seite klappen muss, um es nach oben oder unten zu schwenken, was bei dem “alten” Mechanismus eben leicht und unauffällig nach oben und unten geht, dafür eben nicht im Hochformat nutzbar.

Ich kann sagen, dass ich mich mit der A7C-II gut eingespielt habe, sie lässt sich etwas umfangreicher konfigurieren als die RX1, lange nicht so wie die A1, aber ich habe sie gut personalisieren können, dass ich damit echt zufrieden bin. Die 33MP reichen mir da völlig, wenngleich die 42MP der RX1 schon schön waren - aber dafür kann ich zur Not Objektive wechseln, so dass ich nicht croppen muss - und wer da (leider deutlich) mehr Geld ausgeben möchte und eine höhere Auflösung braucht, der nimmt halt die A7C-R mit 61MP Sensor (der gleiche wie in der Leica Q3, technisch sind die Sonys dieser aber überlegen).

Das 40/2,5G ist ein wirklich optisch tolles Objektiv, nach seriösen Test und eigenen Erfahrungen dem Zeiss der RX1 und auch dem der Leica Q3 43 nicht unterlegen!
Mittlerweile haben sich noch zwei sehr kompakte Objektive izu meinem Equipment gesellt, und zwar das Sigma 17mm F4 und das Sigma 90mm F2.8 aus der I-Series. Beide ultra kompakt, passen in jede Hosentasche und im Grunde kann ich zusammen mit dem 40mm F2.5G fast alles mit diesem wirklich kompakten Setup bestreiten. Das hätte ich mir bei meinem Norwegen Trip, den ich nur mit der RX1 bestritten habe (da die A1 wegen eines Firmware-Problems ein neues Motherbord gekriegt hat) sehr gewünscht!

Ich kann die A7C-II jedem empfehlen, sei es als Vollformat-Einsteiger, als Zweitkamera, als Kompakte für Travel, Street und alles was das Herz begehrt. Wer gerne mit großen Telebrennweiten fotografiert, hat sicher lieber etwas mehr in der Hand und entscheidet sich für die großen Brüder (oder macht einen zusätzlichen Griff dran). Wenn ich die A1 nicht hätte, mit der ich einfach zu glücklich bin um sie zu ersetzen (und dafür gäbe es auch keine wirkliche Notwendigkeit), hätte ich mich wohl für die A7C-R mit 61Mp entschieden und diese für alles genutzt.
Aber so bin ich sehr zufrieden mit der A7C-II, so sehr, dass ich die RX1R-II mit einem weinenden Auge verkauft habe und damit meine “Neue” zum größten Teil refinanzieren konnte.

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SonyRX1rII - ein subjektives Review!