2 Jahre mit der Sony A1 - Subjektives Review

Vorgeschichte
Ich habe die Sony A1 Mitte 2021 gekauft, eines der unvernünftigsten Käufe meines Lebens, zumal ich mein Equipment in der Summe gebraucht kaufe. Ich hatte eigentlich auf die A7IV gewartet und gehofft, dass sie mit 36MP kommt, vorher habe ich mit einer A7rIII fotografiert. Mit der war ich im Grunde sehr zufrieden, aber da meine Frau eine A6400 hatte, war ich immer auf den AF und das Tracking neidisch und dachte, ich hätte gerne eine Kamera mit höherer Auflösung und modernem AF, besseres Display und besserer Sucher wären auch auf der Wunschliste gewesen. Die Nachfolger der 7r-Serie mit ihren über 60MP waren für mich eh ausgeschlossen, da mir die Pixeldichte einfach zu hoch ist.
Sony kündigte dann im Januar 2021 eine neue Kamera an, ich dachte hurra, da kommt die A7IV, aber dann kam von allen unerwartet die A1.
Als ich mir die ersten Tests und den Preis ansaht dachte ich, wer braucht denn sowas, naja, Sony musste wohl mal wieder an den Baum pinkeln und das Revier markieren, aber mir war klar, das ist keine Kamera für mich. Ich brauche kein 8K Video, keine 30 Bilder pro Sekunde RAW, und ein AF, der 120x in der Sekunde aktualisiert wird, ist wohl auch eher was für Sportfotografen. Dann ließ die A7IV weiter auf sich warten (wäre sie eher gekommen, wäre ich wohl jetzt mit ihr zufrieden!), ich hatte mich mit der A1 nicht weiter beschäftigt.
Durch einen unerwarteten Geldsegen, ich konnte in einem halben Jahr im Grunde ohne Aufwand 4500€ dazuverdienen, kam mir die A1 im Juni ‘21 plötzlich wieder in den Kopf und wollte nicht mehr verschwinden. Das hat dann tatsächlich nur 2 Wochen gedauert, ich dachte meine A7rIII verkaufen, dann noch etwa 1500€ draufzahlen, dann geht das schon. Und so habe ich das dann auch umgesetzt, habe dann für meine A7rIII tolle 1800€ bekommen, und ab zum Händler meines Vertrauens und die A1 gekauft. Da war sie nun!
Für alle A1 User sei “The Friedman Archives Guide to Sony Alpha 1” von Gary L. Friedman empfohlen, zwar auf englisch, da gibt’s nach der Lektüre dann aber keine (keine!!!) Geheimnisse mehr!

Mein Leben und meine Erfahrung mit der A1
Vorab sei zu sagen:
Ja, sie ist viel zu teuer für einen Amateur, ich brauche nicht alles was sie kann, sie hat dasselbe unterirdische Display (im Vergleich mit Nikon und Canon) wie alle Vorgänger, der Sucher ist einerseits unglaublich gut, andererseits flimmert er aber bei kontinuierlichem AF in vielen Lichtsituationen, dass die tolle Schärfe leider etwas minimiert ist…
Aber ich bin froh, dass sie zu mir gefunden hat und bereue nicht, sie gekauft zu haben!

Ich fotografiere seit nunmehr 45 Jahren, habe mit Kameras aller möglichen Marken (Ricoh, Minolta, Contax, Nikon, Canon, Sony) fotografiert (eine meiner Lieblingskameras, die analoge Nikon FA, begleitet mich noch immer), war im wesentlichen mit allen zufrieden! Ich bin kein Markenfetischist, meine Umstiege hatten immer etwas mit persönlichen Vorlieben zu tun, nicht mit Markenunzufriedenheit, Mode oder Trend oder anderem; bin eher langsam und bedacht, spät auf AF umgestiegen, ebenso spät auf Digital und wechsle auch meine Kameramarke nicht wie die Unterhosen.
Wenn die A1 auch nicht perfekt ist, ist sie tatsächlich doch die beste Kamera für mich, die ich je in den Händen hielt. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • Size Matters - Ich bin tatsächlich, damals von Canon APS-C DSLR (7D), wegen der Größe und relativ früh auf spiegellose Sonys umgestiegen, da die Sonys von der Sensorqualität eher noch besser waren und super leicht und kompakt. Ich kam bei Canon vom Vollformat auf APS-C, und bin dann später bei Sony wieder auf Fullframe umgestiegen.
    Viele finden die Sonys zu klein, ich habe große Hände und trotzdem überwogen für mich die Vorteile des kompakten und leichteren Formates. Mit den neueren Gehäusen ab der A1 (auch die späteren 7er und 9er) finde ich das Verhältnis von Kompaktheit, Bedienbarkeit und Gewicht für mich perfekt. Ich habe früher mal einen vertikalen Handgriff gekauft, ist mir dann zu groß, kaum genutzt und wieder verkauft. Mir liegt das Gehäuse der A1 perfekt in der Hand, der kleine Finger ist unter der Kamera, was ich nicht als unangenehm empfinde. Bei Landschaft habe ich immer einen L-Bracket drunter, den könnte ich im Alltag auch nutzen (sehr leicht), mache ich aber auch nicht.
    Ich liebe ebenso leichte und kompakte Objektive, die neuen KI-Entrauschtechniken mildern die Angst vor hohen ISO-Werten. Meine Zooms sind ab Blende 4, optisch gut, leicht und kompakt, wenn ich Freistellung brauche, nehme ich eben eine lichtstarke Festbrennweite!

  • Da ich noch aus der komplett analogen Zeit komme, liegen mir von der Bedienung die vielen Rädchen und Knöpfe sehr, besonders das linke Wahlrädchen oben (AF-Funktionen und “Transport”/Selbstauslöser/Bracketing) fühlt sich für mich an wie “zu Hause”. Belichtungskorrekturrad, Joystick, 6 individuell belegbare Knöpfe (C1-C4, AF-On und AEL lassen sich auch frei belegen), zusätzlich die 4 Richtungstasten vom hinteren Wahlrad plus Mittenknopf im Wahlrad = 11 belegbare Knöpfe, plus das FN-Menü mit zusätzlichen 12 Einstellungen (plus 12 für Video, die ich eher nicht nutze)! Nicht zu vergessen die 3 Speicherplätze am rechten Wahlrad (plus 4, die man dann im Menü auch schnell auswählen kann) für die Lieblingseinstellungen, sprich man kann 7 komplette Szenarien vorprogrammieren und sie darüber abrufen!
    Die A1 ist die erste Kamera, die ich so auf mich konfigurieren kann, dass ich sie in den für mich wesentlichen Funktionen nicht vom Auge nehmen muss und alle anderen wichtigen oder häufigen Einstellungen ohne Zugriff auf das Menü machen kann! Wenn es euch interessiert, wie ich meine A1 konfiguriert habe, schreibt einen Kommentar, dann mache ich einen Blog dazu!

  • Der Sensor und die Bildqualität (die ist nicht besser als die der A7rII oder III, nur nun 50MP statt 42MP) sind für mich on top, da ist Sony ja schon lange eher führend, 50MP hätten es für mich nicht sein müssen, aber nach meiner ersten A7rII war mir klar, 24MP sind für mich keine Option mehr - ich kann so auf noch längere Brennweiten verzichten und stattdessen verlustfrei “reincroppen”, mein Lieblingsobjektiv Sony 20-70/4 wird so zum 20-105/4 wenn’s notwendig ist!
    Durch den Stacked-Sensor ist das Auslesen derart schnell, dass man keinen Rolling-Shutter mehr hat und in den meisten Fällen keinen mechanischen Verschluss mehr braucht, was weniger Verschleiß bedeutet. Nur bei Langzeitbelichtung (Bulb) braucht man den mechanischen Verschluss, und ich nutze ihn an der A1 als Staubschutz gegen Sensorflecken er schließt, wenn man die Kamera ausmacht und schützt so beim Objektivwechsel vor Staub auf dem Sensor!

  • Autofokus und Tracking - das war ja im wesentlichen der Grund meines Umstieges, sind natürlich atemberaubend bei der A1, sie war Classleading bei ihrem Erscheinen und auch 2,5 Jahre später braucht sie sich nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken. Ich habe mich früher nie mit dem fotografieren bewegter Objekte beschäftigt, da fehlte mir ernsthaft der Ehrgeiz und man musste viel üben, um wirklich scharfe Bilder zu bekommen, mit der A1 eine Serie von einem fliegenden Falken zu schießen, wo bei nahezu 100% der Bilder der Fokus sitzt (ich nutze nie mehr als 10Bilder/s) - kein Problem. Somit haben sich für mich mit der A1 auch einige fotografische Bereiche erschlossen, die vorher für mich nicht in Frage kamen.
    Ich liebe den Autofokus und das Tracking an dieser Kamera, und auch wenn das in der Zukunft wahrscheinlich noch schneller und präziser werden wird, wird das für meine Fotografie keine wesentliche Rolle mehr spielen - hier habe ich mehr, als ich je erwarten durfte.

  • Dies und Das

    • Die CFexpress Cards sind rasend schnell, in den meisten Fällen wohl nicht notwendig beim fotografieren/filmen, da tun es schelle SD-Cards auch. Aber das Auslesen auf den Rechner geht wirklich flott. Typ A Karten, die ja eine Entwicklung von Sony sind, sind leider sehr teuer (mittlerweile gibts aber bezahlbarere Konkurrenz), da wären die noch schnelleren Typ B Karten die bessere Wahl gewesen!

    • Den Sucher habe ich schon erwähnt, ich nutze ihn immer in bester Qualität (damit gleichzeitig bei niedrigster Wiederholrate von 60fps), leider hat er ein feines Flimmern in bestimmten Lichtsituationen und besonders bei AF-C, was die tolle Wiedergabe sichtbar reduziert. Jammern auf hohem Niveau.

    • Das Display ist an einer Kamera für über 7000€ eine absolute Frechheit, das kann man nicht anders sagen!

    • Seit den NP-FZ100 Batterien gibts bei Sony auch an der Batterielaufzeit nichts mehr zu meckern.

    • In punkto Anschlüssen hat sie alles, was das Herz begehrt und mehr als ich nutze.

    • Das Sony sich mit seiner Firmware-Update Politik (und damit mit technischen Erweiterungen, die über Firmware möglich sind) keine Freude macht, ist glaube ich in aller Munde, das machen Nikon (besonders) und Canon besser! Andererseits fehlt mir nach wie vor nichts Wesentliches, ich habe die Kamera ja so gekauft. Und es gibt eben auch Vorteile, alle Hersteller bauen Objektive für Sony, wo viele Canon-User sich die Haare raufen.

Fazit
Ich kann sagen, dass ich mit allen Kameras bisher (mehr oder etwas weniger) zufrieden war (das Leute an Menüs oder bestimmten eigenen Bedienungen herummeckern ist nicht meine Sache - man gewöhnt sich daran und gut), und mit einigen war ich auch zeitweise glücklich.
Auch nach nun fast 2,5 Jahren mit der A1 kriege ich gute Gefühle, wenn ich sie nur in die Hand nehme, es macht mir ungebrochen Spaß, mit der A1 zu fotografieren, sie im Grunde spielerisch “beherrschen” zu können.
Sie hat alles was ich benötige im Überfluss und mehr, ihre technischen Fähigkeiten ermöglichen mir, meine eigenen fotografischen Möglichkeiten zu erweitern (schnelle Objekte, Tracking). Ich bin wirklich sehr, sehr zufrieden mit der A1! Nein! Genaugenommen bin ich wirklich glücklich mit ihr!

Zurück
Zurück

SonyRX1rII - ein subjektives Review!

Weiter
Weiter

Entrauschen Update!